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Geschichte der Pfarrkirche Mariahilf in München – Au PDF Drucken E-Mail
Das erste Auer Kirchlein, eine Kreuzkapelle, entstand 1463 an der Westseite des heutigen Mariahilfplatzes, weil an dieser Stelle zuvor ein Kreuz vom Isar-Hochwasser  angeschwemmt worden war. Die Bevölkerung in der Au nahm im Laufe der Zeit stark zu, so dass man bereits 1621 am Südende (heutiger Standort des Landratsamtes) eine zweite, architektonisch bedeutsame, mit wertvollen Fresken geschmückte Kirche zu Ehren des hl. Karl Borromäus errichtete. Sie büßte allerdings 1799 ihre Würde als Pfarrkirche ein. Das Inventar wurde verschleudert oder gestohlen. Ab 1804 diente das ehemals sakrale Gebäude als Heu- und Strohmagazin und wurde 1901/02 abgerissen.
Ein drittes Kirchlein, 1632 – 1639 im Renaissance-Stil erbaut, sollte Heimat der  Marienstatue sein, die der am Münchner Hof lebende Lothringer Sebastian von Rothon in Paris geschenkt bekommen und 1629 in die Au gebracht hatte. Die Paulanermönche übernahmen die Seelsorge. Zahlreiche Wallfahrer pilgerten zu dem als wundertätig bekannten Gnadenbild und bald schon hieß das Kirchlein, das der Gottesmutter und dem hl. Franz von Paula geweiht war, „Mariahilf“. Diese dritte Kirche der Au wurde 1803 nach der Aufhebung des Klosters Pfarrkirche, erwies sich für diese Aufgabe jedoch als zu klein.

So kam es zum Bau der vierten Kirche in der Au, der heutigen Mariahilfkirche im neugotischen Stil unter Leitung des Architekten Joseph Daniel Ohlmüller (1791 – 1839). Mit der Planung der neuen Kirche begann in der Kunstgeschichte Mitteleuropas die Zeit der Neogotik. Die Grundsteinlegung erfolgte 1831 und 1839 die Einweihung durch Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel. Die durchbrochene Turmspitze erinnert an das Freiburger Münster. Neu für München war das mit bunten Ziegeln gedeckte Dach. Das Innere der Kirche präsentierte sich als dreischiffige, neugotische Halle mit dem besonderen Schmuck der von König Ludwig I. gestifteten 19 Glasfenster im Nazarenerstil. Auf dem rechten Seitenaltar erhielt das verehrte Gnadenbild seinen Platz. Mehr als ein Jahrhundert (1839 – 1944) war Ohlmüllers Bau der religiöse Mittelpunkt der Au.
Mehrere Luftangriffe beschädigten 1943/1944 die Kirche erheblich: Alle wertvollen bunten Fenster zerbrachen, Turm und Kirchenschiff standen in Flammen und das gesamte Gewölbe stürzte ein. Lediglich die Außenmauern und der stark in Mitleidenschaft gezogene Turm sowie die Sakristei mit ihrem wertvollen Inventar blieben stehen. Für die Pfarrgemeinde begann ein jahrelanges Herbergssuchen von Notkirche zu Notkirche. Stadtpfarrer Dr. Joseph Holzer gebührt das Verdienst des Wiederaufbaus der Mariahilfkirche. Nach zähen Verhandlungen und durch die großzügige finanzielle Unterstützung der Auer Bürger konnte 1953 der Bau fertiggestellt werden. Im selben Jahr erfolgte die Einweihung durch Joseph Kardinal Wendel. Die beiden Seitentürmchen, einiger Zierrat, beispielsweise die vielen über den Dachansatz hinausragenden Türmchen und das bunte Ziegeldach stellte man nicht wieder her. Im Innenraum blieb vom neugotischen Stil wenig erhalten, denn, indem die Säulen nahe an die Außenwände versetzt wurden, verzichtete man auf die ursprüngliche Dreischiffigkeit und schuf eine weite Hallenkirche. 1956 bekam die 1952 gegossene Salvatorglocke mit ihren fast sieben Tonnen wieder vier Schwestern hinauf in die oberste Glockenstube (Marienglocke, Josefsglocke, Herz-Jesu- und Aloysiusglocke).
Beim Blick auf den Chorraum schaut der Besucher auf den kunstvollen Wandteppich mit der Madonna im Rosenkranz. Mit seiner Höhe von 22,5 m, seiner Breite von 3,5 m und seinem Gewicht von rund 100 kg ist er der größte Gobelin christlicher Textilkunst. Professor Franz Nagel aus München entwarf das Kunstwerk, zu dessen Herstellung er eigens einen Webstuhl anfertigen ließ. 1975 baute die Orgelfirma Schmid/Kaufbeuren eine 5-manualige Hauptorgel mit 72 Registern. Sie bildete das „Herzstück“ der 1978 beginnenden monatlich stattfindenden „Geistlichen Abendmusik“. Bedeutende Organisten aus dem In- und Ausland  haben in den folgenden Jahren auf diesem Instrument  musiziert.
1982 erhielt die Mariahilfkirche eine Chororgel mit 17 Registern - ebenfalls von der Firma Schmid -, die wertvolle Dienste für die Begleitung von Schola, Jugend- und Kinderchor leistet.
1971 musste der Turmhelm wegen statischer Schwierigkeiten abgetragen werden.
Nach der Wiederherstellung der Turmspitze (1980/81) folgte in den Jahren 1987/88 die Innenrestaurierung der Kirche, bei der auch die akustischen Verhältnisse des großen Raumes durch den Einzug einer schalldämmenden Holzdecke deutlich verbessert werden konnten.
Eine weitere künstlerische Bereicherung der Mariahilfkirche ist das große Bronze-Hauptportal, das der Architekt Franz Berberich entworfen und die Kunstschmiede Nüßl in der Nockherstraße gegossen hat. Am 17.10.1993 erfolgte die Einweihung.
In den letzten Jahren begannen Planungen, Teile der neogotischen Einrichtung wieder im Kirchenraum aufzustellen. Ein Provisorium dient seitdem als Chorabschluss. Viele Ideen warten auf ihre Verwirklichung.

Aus: Mariahilf, Geschichte – Gebete – Meditationen, München, 2007